Organisationen machen aktuell nicht zu wenig mit KI. Sie lassen zu viele Positionen offen und fangen an dem Ende an, das tatsächlich erst zum Schluss kommt.
Ich sehe in Organisationen die gleichen Muster. Nicht, weil die Menschen es falsch machen. Sondern weil die Logik fehlt. Deswegen spreche ich ganz bewusst nicht von Fehlern, sondern vielmehr von offenen Positionen im Sinne der ungeklärten Positionen. Werden diese Positionen im Nachgang geklärt, idealerweise gemeinsam mit den Anwendern im Unternehmen (crossfunktional), nimmt die KI Einführung die Fahrt in eine andere, zielführende Richtung zum Nutzen aller Beteiligten auf.
5 ungeklärte Positionen bei der Copilot*-Einführung:
1. Der Tool-Reflex
„Lasst uns Copilot einführen.“
- Lizenzen werden gekauft
- Funktionen erklärt
- Rollout gestartet
Ungeklärt ist:
- kein Ziel
- keine Priorität
- keine Messbarkeit
Vorläufiges Ergebnis: Nutzung ohne Wirkung
2. Training statt Steuerung
„Wir schulen erstmal alle.“ Grundsätzlich naheliegend, weil der AI-Act verlangt, dass Grundlagenwissen vermittelt wird. Genügt dies dem Anspruch der Organisation? Eher weniger.
- Workshops
- Prompt-Trainings
- Best Practices
Das Problem:
- Wissen entsteht
- aber keine Richtung
Vorläufiges Ergebnis: individuelle Kompetenz – aber keine Organisation
3. Use Cases ohne Kontext
„Wir sammeln einfach gute Anwendungsfälle.“
- viele Ideen
- viele Beispiele
- viele Möglichkeiten
Ungeklärt ist:
- keine Priorisierung
- keine Einordnung
- keine Verbindung zum Ziel
Ergebnis: Aktivität ohne Fortschritt
4. Keine klare Verantwortung
„Alle sollen KI nutzen.“
- klingt gut
- ist aber gefährlich
Ungeklärt ist, denn
- niemand fühlt sich verantwortlich
- niemand steuert
- niemand misst Wirkung
Ergebnis: KI bleibt im Experiment
5. Umsetzung ohne System
„Jetzt müssen wir ins Tun kommen.“
- Aufgaben entstehen
- Initiativen laufen
Weil es ungeklärt ist,
- geht Überblick verloren
- entstehen Doppelarbeiten
- fehlt Verbindlichkeit
Ergebnis: Chaos mit guter Absicht
Dies offenen Positionen bergen Risiken, die zunächst nicht bilanzwirksam sind und vielleicht deshalb gerne als Soft-Skills angesehen werden.
Mit dem Tun – statt mit der Führung. Und genau deshalb verschiebt sich gerade der Unterschied im Markt: Unternehmen, die KI „einführen“ vs. Unternehmen, die KI „führen“. Anstatt mit dem Tool zu starten und über Trainingsmaßnahmen den Output zu erwarten, empfiehlt es sich, Auslöser für den Einsatz von KI zu erkennen, SMARTe Ziele daraus abzuleiten und mit Hilfe von modernen Instrumenten in die Messbarkeit (zum Beispiel OKR) damit steuerbar zu machen.
Fazit:
KI funktioniert nicht durch mehr Aktivität.
Sondern durch bessere Führung.